KLassenmusizieren

Seckachtalschule „Klassenmusizieren“ mit der Vier-Kanal-Mundharmonika kommt bei den Schülern gut an / Erster Auftritt beim Tag der offenen Tür am 18. Mai

„Das motiviert und stärkt das Gemeinschaftsgefühl“

Archivartikel16. Februar 2019 Autoren: Sabine Braun (sab)

Gemeinsam Mundharmonika zu spielen motiviert die Schüler und vor allem macht es Spaß. Das finden auch die Viertklässlerinnen Mia, Nelia und Emelie von der Seckachtalschule. Dort wurde das „Klassenmusizieren“ für die dritte und vierte Klasse eingeführt. © Sabine Braun (sab)

Sie ist klein, liegt gut in der Hand und klingt schön: Die Mundharmonika „Speedy“. Den Seckacher Dritt- und Viertklässlern macht es großen Spaß, damit gemeinsam zu musizieren.

Seckach. „Wer will einmal vorspielen?“, fragt Musiklehrerin Tatjana Bader in die Runde, und sofort fliegen mehrere Hände in die Höhe. Drei Mädchen scheuen sich kein bisschen, ihre Künste zu demonstrieren, obwohl die Frau von der Zeitung zuhört. Erst seit wenigen Monaten haben die Schüler der 4b der Seckachtalschule ihre Instrumente, doch „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“ aus 14 Harmonikas klingt schon überraschend gut. Der Rhythmus stimmt, kaum ein falscher Ton mischt sich unter die Melodie.

Alle machen gerne mit

„Wir sind total überrascht, dass das so gut gelaufen ist“, freut sich Tatjana Bader. „Es machen alle mit, und zwar gerne.“ Sie hatte im vergangenen Sommer die Idee den Instrumentalunterricht in den Musikunterricht zu integrieren. Bei Rektorin Claudia Hampe stieß sie mit dem „Klassenmusizieren“ auf offene Ohren. Die Schulleiterin bezeichnet sich als sehr musikorientiert, spielt selbst Violine. 20 Minuten Mundharmonika sollten dauerhaft in die Musikstunde der Dritt- und Viertklässler eingebaut werden, so der Plan von Tatjana Bader.

Musizieren macht glücklich

Für das gemeinsame Musizieren der Kinder haben die Lehrerin und die Rektorin viele gute Argumente: Kinder, die Musik machen, haben ein stärkeres Selbstwertgefühl, sie lernen nachweislich leichter Fremdsprachen, sie können sich besser konzentrieren, und vor allem: Musik machen macht glücklich. Wer es nicht glaubt, muss sich nur die Kinder in der Seckachtalschule anschauen.

Preiswert und pflegeleicht

Natürlich motiviert es auch und stärkt das Gemeinschaftsgefühl, wenn die ganze Klasse gemeinsam übt und Fortschritte macht.

Speziell für die Vier-Kanal-Mundharmonika spricht, dass sie preiswert und pflegeleicht ist. Sie kann leicht überall mit hingenommen werden – im Gegensatz zu Geige, Cello, Trompete, Klavier und Co.

Die Töne entstehen durch Blasen und Ziehen, „schräge“ Klänge wie bei Streichinstrumenten gibt es nicht. Klar ginge auch eine Blockflöte, aber vielleicht ist die Mundharmonika doch „cooler“. Auf jeden Fall sind alle Schüler der 4b, auch die Jungs, mit Begeisterung dabei, erzählt die Musiklehrerin.

Erfolg stellt sich schnell ein

Was Tatjana Bader und Claudia Hampe – und wahrscheinlich auch die Schüler – besonders beeindruckt: der rasche Erfolg. „Wahnsinn, wie schnell die das lernen.“ Schon nach wenigen Übungsstunden konnten die Kinder kleine Melodien spielen. Los ging es mit Kinder- und Weihnachtsliedern, nach „oben“ gibt es keine Grenzen. Demnächst folgen komplizierte Rhythmen und es wird zweistimmig musiziert. Wer später noch weiter machen will, hat die Wahl: Folkmusik, Blues-Klassiker, Filmmusik („Spiel mir das Lied vom Tod“) und viele andere Titel sind ohne Mundharmonika nicht denkbar. Komponisten wie Ralph Vaughan Williams haben für das erst um 1820 entwickelte Instrument geschrieben.

Im „Klassenmusizieren“ geht es aber nicht nur um die Lieder: Beim Musik machen lernen die Kinder Noten erkennen und schreiben, Takt- und Rhythmusgefühl. Die theoretischen Elemente werden so unmittelbar praktisch erfahrbar. „Kompetenzen des Musikunterrichts werden größtenteils integrativ durch das Musizieren erworben“, bringt Claudia Hampe es auf den Punkt.

Über das Gelernte werden auch Arbeiten geschrieben – „Klassenmusizieren“ ist also keineswegs nur Spielerei.

Eltern sind begeistert

Natürlich waren die Eltern von Anfang eingebunden. Im September hatte sich Tatjana Bader an die Erziehungsberechtigten gewendet und über das Vorhaben und die entstehenden Kosten informiert. Denn um zu Hause üben zu können, und nicht zuletzt aus hygienischen Gründen, sollte jedes Kind sein eigenes Instrument bekommen. Gut fünf Euro kostet die ausgewählte Harmonika „Speedy“. Für das Begleitheft „Speedy Kids“ fielen noch ein paar Euro an. Die Gemeinde übernahm die Hälfte der Kosten des Hefts.

Von den Eltern kamen nur positive Rückmeldungen, berichtet Claudia Hampe. Die Kinder seien begeistert heimgekommen und spielen auch zu Hause. Das habe den Eltern gefallen. Für viele Schüler könnte das kostenlose Harmonikaspielen der Einstieg in die Musikwelt sein. Nicht zuletzt könne man mit dem Schulmusizieren versteckte Talente entdecken und wecken.

Schon jetzt freuen sich alle auf den ersten großen gemeinsamen und öffentlichen Auftritt beim Tag der offenen Tür am 18. Mai. Dann werden alle Dritt- und Viertklässler gemeinsam Mundharmonika spielen. Und im nächsten Schuljahr geht das Projekt mit den dann neuen Drittklässlern nahtlos weiter.

Singen wird nicht vernachlässigt

Neben dem Harmonikaspiel wird das Singen ebenfalls weiter geübt. Denn auch in dem Bereich haben die Dritt- und Viertklässler einiges vor: Sie werden am 27. Juni beim „6k United“ mitmachen, bei einem der wohl größten interaktiven Musikprojekte für junge Leute. Dabei werden 6000 Kinder und Jugendliche zwischen acht und 14 Jahren in der SAP-Arena in Mannheim vorab einstudierte Lieder zusammen singen. Es bleibt also noch viel zu tun . . .

© Fränkische Nachrichten, Samstag, 16.02.2019

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